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Das Leben im Jungbusch

Die Zeit im Jungbusch hat mein Leben sehr geprägt und das nicht nur im negativen Sinne.

Wenn ich heute zurück denke wie es vor ein paar Jahren im Jungbusch war, dann kommt es mir vor als ob es erst gestern gewesen sei. Ich bin damals mit zwei Jahren in den Jungbusch gezogen und bin heute sagenhafte 20 Jahre alt. Die Zeit im Jungbusch hat mein Leben sehr geprägt und das nicht nur im negativen Sinne. Ich gebe es zu, dass die Wahrscheinlichkeit in diesem sehr stark besiedelten Stadtviertel sehr groß ist auf die falsche Bahn zu geraten, jedoch kenne ich auch viele aus Jungbusch, die einen sehr geradlinigen Weg gehen und nichts mit all den dunklen Machenschaften zu tun haben.

Ich persönlich habe eine sehr schöne Kindheit im Jungbusch verbracht. War stets auf den Spielplätzen und habe mit der Zeit viele Freundschaften geknüpft. Auf der einen Seite habe ich Freunde, die studieren oder gerade ihr Abitur machen und auf der anderen Seite wiederum gute Freunde, die ihr Geld mit dem „Dealen“ von Rauschgiftmitteln verdienen.

Filsbacher

Nun die Frage wie kommt es überhaupt das ein junger Mensch auf diese falsche Bahn gerät? Ich persönlich habe mich sehr intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt und bin zum Entschluss gekommen, dass die meisten Jugendliche von den Eltern „non-stop“ vernachlässigt werden und somit keine andere Perspektive sehen. Die Schule brechen viele ab oder ergattern noch gerade so einen miserablen Hauptabschluss. Sie haben zwar nach außen hin eine intakte Familie, jedoch in Wirklichkeit keine richtigen Bezugspersonen und keinen Rückhalt und gründen Banden oder Cliquen, um das Gefühl zu verspüren wie es ist endlich mal geliebt zu werden.

Die Gruppe hat für jeden einzelnen von ihnen nahezu schon einen familiären Status und sie würden alles tun, um füreinander da zu sein. Das Problem ist nur, dass diese pubertierenden „Teenies“ ein finanzielles Problem zu bewältigen haben, denn ohne einen Abschluss oder eine ordentliche Ausbildung ist es nun mal schwer Geld zu verdienen. Also schlagen die Jugendlichen mit den Drogen zwei Fliegen auf einen Schlag. Einerseits sie verdienen mit dem Verkaufen von Drogen viel Geld von nahezu nichts tun und andererseits schaffen sie es mit dem Konsum für eine kurze Zeit den Alltag zu vergessen. Sie sind gut drauf „high“ und wollen nur noch in dieser „Zwischenwelt“ leben und um dies zu ermöglichen riskieren sie alles. Überfälle oder Diebstähle liegen nach kurzer Zeit an der Tagesordnung, da die Geschäfte mit den Drogen anfangen zu bröckeln, da ja jetzt nicht mehr so viel verkauft werden kann, da der Eigenbedarf der Gruppe gestiegen ist und der Profit resultierend stark gesunken ist.

Filsbacher Jungs

Lange Rede kurzer Sinn diese Menschen haben es wirklich sehr schwer und oftmals keine andere Möglichkeit, da sie von ihren Eltern oder von unserem Staat ins kalte Wasser geworfen werden und nach ihrer Ansicht keine Chance haben sich über Wasser zu halten, außer mit kriminellen Machenschaften. Es ist leicht gesagt „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, aber wenn man vor Ort ist und sich die Entwicklung dieser Menschen Tag für Tag so anschaut, dann sieht man die Alltagsschwierigkeiten dieser Menschen. Wie sollen sich Menschen mit einem Migrationshintergrund, die in einem Stadtteil wie Jungbusch leben erfolgreich integrieren, wenn die Klischees so groß sind und niemand mit ihnen etwas zu tun haben möchte. Ich persönlich habe oftmals die Erfahrung gemacht, dass ich in „höheren“ Kreisen ignoriert wurde oder alle nur das eine im Kopf haben „ey er kommt aus dem Jungbusch, nee meine Tochter lass ich nicht mit ihm ausgehen“. Oder er könnte kriminell sein, schau dir doch nur seine Visage an, sie verbirgt etwas geheimnisvolles  und düsteres.

Diese Diffamierungen waren sehr oft der Grund, dass ich dachte warum soll ich diesen geradlinigen Weg gehen, um am Ende zu so einem Menschen zu werden? Wo bleibt die Toleranz? Ich dachte es seien gebildete, tolerante und aufgeschlossene Menschen, aber der Schein trügt.
Diese Sätze habe ich sehr oft zu hören bekommen, manchmal eher indirekt, jedoch sehr oft auch explizit.

Im Endeffekt kann ich heute nach 18 Jahren Jungbusch sagen, dass jeder dieser Menschen im Jungbusch auf seine eigene Art und Weise was besonderes ist. Sie sind ehrlich und nicht heuschlerisch. Sie geben sich nicht für etwas aus was sie in Wirklichkeit nicht sind.

Jedoch muss ich auch erwähnen,dass sich in letzter Zeit hier vieles im positiven Sinne verändert hat. Wie zum Beispiel die Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche sind fast schon „exponentiellartig“ gestiegen oder die Popakademie hat das Ansehen von Jungbusch ebenso um einiges verbessert. Im Allgemeinen kann man sagen, dass wir auf einem guten Weg sind die Klischees ein für alle Mal aus den Köpfen der Menschen zu verbannen und zu zeigen bei uns geht es aufwärts und wir können auch auf einer anderen Art und Weise „Schlagzeilen“ machen.

Narmi, 14. April 2010

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